Einfach loslassen?
von Bernd Kiesewetter | Feb 25, 2023 | Blog |
Warum Loslassen nicht so einfach ist und wie es Ihnen am besten gelingt
Es hört sich immer so gut an und eigentlich ist es uns allen klar: Loslassen ist wichtig! Doch es ist eben gar nicht so einfach.
Ein Ziel loszulassen, ein bereits begonnenes Projekt, eine berufliche Karriere, eine Sache oder gar eine Liebe. Ein geliebtes Verhalten, einen geliebten Zustand, ein geliebtes Wesen, einen geliebten Menschen loszulassen, ist mitunter sehr schwer. Und nicht immer hilft oder tröstet der Spruch von Konfuzius “Was Du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es Dir – für immer.” Denn manches kann nicht zurückkommen. Und anderes kommt nicht zurück, das spüren wir.
Wenn der Freund, die Mutter oder der Partner geht, ist das Gefühl deutlich größer als jeder Funken Verstand. Wenn ein Familienmitglied verstirbt oder sich der Lebenspartner abwendet, sind so viele Emotionen im Spiel, dass wir zu rationalen Gedanken nicht fähig sind und oft gar nicht mehr in der Lage, Entscheidungen zu überdenken, geschweige denn zu treffen. Die Liebe ist ein so mächtiges Wesen, mit so vielen Facetten, dass es uns Menschen blind machen, aber auch über uns hinauswachsen lassen und zu etwas Besserem machen kann.
Festhalten geht nicht
Wir können nichts festhalten, das wissen wir. Der Tod ist endgültig. Wir müssen es akzeptieren und loslassen. Auch bei Trennungen von Beziehungen spüren wir, dass es keinen Sinn mehr ergibt. Doch obwohl uns das gemeinsame Leben oft schon lange nicht mehr erfüllt und gar nicht so selten sogar überhaupt nicht mehr gut tut, und mit vielen Verletzungen einhergeht, gelingt es uns oft nicht loszulassen. Aber warum?
Wir sind überfordert, weil Vergänglichkeit Verlust bedeutet und damit auch Schmerz. Den Schmerz wollen wir aber um jeden Preis vermeiden und klammern uns deshalb verzweifelt an dem, was wir loslassen sollten. Auch wenn unser Verstand genau weiß, dass sich die Dinge ändern, die Menschen ändern, sich das Leben ständig ändern muss, haben wir Angst davor, loszulassen und den Schmerz zu erfahren. Die Angst vor dem Loslassen beinhaltet auch die Angst vor dem freien Fall.
Es liegt eine tragische Komik in unserem Festhalten: Es ist nicht nur vergeblich, sondern es beschert uns auch noch genau den Schmerz, den wir um jeden Preis vermeiden wollten.
Veränderungen sind wichtig
Auch in anderen Lebensbereichen ist es so, zum Beispiel auch, wenn wir eigentlich die Veränderung wollen. Wenn Sie das Rauchen aufgeben müssen, weil der Arzt Ihnen bereits die rote Karte zeigt, Sie den Alkoholkonsum und die Süßigkeiten weglassen oder auf Ihre vorherrschende Bequemlichkeit verzichten sollen, dann müssten Sie etwas loslassen, um zu verändern. Aber auch andersherum, wenn Sie auf einmal kein Sport mehr machen dürfen oder anders essen müssen und nicht mehr Ihrer Arbeit in dem gleichen Maße nachgehen dürfen. Es sind einstudierte und mitunter geliebte Verhaltensweisen, welche manchmal schon zu Ihrer Identität geworden scheinen. Das Ergebnis daraus, die scheinbare Belohnung, der Stressabbau, die Freude, der Erfolg – auf all das müssten Sie auf den ersten Blick verzichten.
Doch auch von Dingen zu lassen betrifft es. Unsere Sammelleidenschaft von Sachen führt dazu, dass wir uns kaum noch frei in unserem Zuhause bewegen können? Die Bücherwände in der Wohnung brauchen schon einen Statiker? Auf unser viel zu teures Auto können wir nicht mehr verzichten? Auf das viel zu große Haus und den zu luxuriösen Lebensstil auch nicht? Wir sind Opfer unserer Umstände geworden!
Loslassen müssen
Wir müssen loslassen, auch, um uns nicht selbst zu zerstören. Jeder ist sich dessen bewusst. Und dennoch überschreiten wir oft die Grenzen, die uns selbst gut tun. Es bindet jede Menge Energie und manchmal sogar so viel, dass wir zu nichts anderem mehr fähig scheinen.
Loszulassen ist eben gar nicht so einfach. Loslassen kostet weniger Kraft als Festhalten, und dennoch ist es schwerer.
Wir müssen es lernen. Sonst entsteht aus dem ungewollten Schmerz, an dem wir durch unser Verhalten auch noch festhalten, mitunter großes und anhaltendes Leid.
5 Schritte um loslassen zu können
Wir können lernen loszulassen. Wie alles ist auch das Loslassen eine Übungssache. Da es mit starken Emotionen verbunden ist, müssen Sie auch in Ihrem Training mit starken Gefühlen arbeiten. Wenn Sie die folgenden Dinge mit großer Intensität Ihrer Gedanken, Gefühle und Vorstellungen absolvieren, wird es deutlich einfacher, loszulassen.
1.) Werden Sie sich bewusst, welche Vor- und Nachteile Ihr Festhalten mit sich bringt? Welche Vor- und Nachteile hätte es, loszulassen? Denken Sie beides bis ganz zu Ende, scheuen Sie sich nicht vor den schlimmsten Vorstellungen der Nachteile und enden Sie in jedem Fall mit den Vorteilen des Loslassens!
2.) Empfinden Sie Demut und Dankbarkeit für das Gewesene. Nichts ist selbstverständlich. Seien Sie froh und glücklich darüber, dass Sie es bis jetzt genießen konnten. Es geht nicht nur um ihren Verstand, Sie müssen die Dankbarkeit in Ihrem Herzen fühlen.
3.) Vertrauen Sie dem Leben. Vertrauen Sie auf Gott, das Universum oder an welch größere Macht ach immer Sie bauen. Glauben Sie an die Kraft und Schönheit des Neuen. Wenn etwas Altes geht, kann etwas Neues kommen. Freuen Sie sich auf das Neue, denn so vieles Großartige wartet bereits auf Sie!
4.) Ablenkung lenkt ab, Ihre Gedanken! Richten Sie Ihren Fokus auf Ihr eigenes Leben und die Dinge, die Ihnen noch wichtig sind. Ich wette, Sie haben genug anderes zu tun, nicht wahr? Vermutlich haben Sie genug andere Baustellen, die es zu verbessern gilt, also richten Sie darauf Ihre Aufmerksamkeit!
Verantwortung übernehmen
Auch wenn es manchmal gar nicht so einfach ist, die 5 Schritte zu gehen: machen Sie es! Sie werden mit jedem Mal besser. Es ist ein wichtiger Teil Ihres Lebens und Ihrer Selbstverantwortung. Sie sollten die Verantwortung für sich selbst übernehmen, für Ihr Leben, für Ihre Lebensqualität. Und diese hängt nun einmal in großem Maße davon ab, ob Sie loslassen können.
Ich wünsche Ihnen jede Menge guter Energie dafür!
Herzlichst,